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Es fällt einem schwer, die Werke Frans Roermonds ganz unabhängig von seinem eigenen, persönlichen Schicksal zu betrachten, zumindest wenn man die Biographie des niederländischen Künstlers hört.

1967 in Surinam geboren, scheint das Glück dem begnadeten jungen Maler zu begegnen, der als Sohn eines niederländischen Diplomaten bereits zu Beginn seiner künstlerischen Karriere direkt nach dem Studium in der Berliner HDK (1988/1993) vom amerikanischen Sammler Saul Bergamo zu einem Stipendium nach New York eingeladen wird und bald darauf eine erste Einzelausstellung in der Pamela Green Galerie bekommt. Doch 1993 reißt ihn der plötzliche Unfalltod seiner Eltern von dieser perfekt beginnenden Erfolgsbahn weg. Roermond bricht alles ab, um sich dahin zu begeben, wo das Unglück passiert war: In Australien nimmt er ein medizinisches Studium an der James Cook University in Cairns auf. Über 15 Jahre verlaufen abseits des Kunstgeschehens. Roermond arbeitet in Papua Neu-Guinea in einer tropischen Klinik als Assistenzarzt.

Doch 2010 taucht er in New York wieder auf. Einem kleinen Kreis alter Freunde und Vertrauten offenbart er, sich der Malerei wieder zu widmen. Seine neuen Ölbilder kombinieren Gegenständliches mit Abstraktem und scheinen einfach da anzusetzen, wo das Werk gestanden hätte, wenn es ohne Unterbrechung fortgeführt worden wäre: In einer altmeisterlichen Qualität, die von der nie verloren gegangen verblüffenden Maltechnik Roermonds zeugt, schwanken die neu entstehenden Werke mit besonderer Subtilität zwischen Poetischem und Rätselhaftem. Inhaltlich viel gefasster als das Frühwerk, von dem sich alles in Privatsammlungen befindet oder vom Künstler zerstört – wahrscheinlicher aber übermalt – wurde. Die Konzentration, die den akribisch gemalten Teilen der Gemälde zugrunde liegt, ist aber auch zugleich das eigentliche Thema der Bilder geworden.

Das dramatische Schicksal des damals so erfolgreichen jungen Mannes, begleitet von schweren Entscheidungen und der Erkenntnis, dass das Leben sich so plötzlich wenden kann, ist möglicherweise eine Erklärung für das seltsame, fast störende Gefühl aus diesen neuen Bildern, dass man die Oberfläche oder einen bestimmten Punkt darin beharrlich unter die Lupe nehmen sollte, um  zu erkennen, was sich eigentlich dahinter verbirgt. Der Künstler zwingt den Betrachter fast gerade zu, sich auf die Suche nach dem begeben, was sich jenseits des Sichtbaren befinden könnte. Das Motiv von Himmel und Wolken spielen dabei eine bezeichnende Rolle: Formationen, die aus Nichts bestehen und aus dem Nichts entstehen. Gebilde, die den Winden nach kommen und gehen, sich verdichten und wieder aufreißen.  Unfühlbar und so weit entfernt von Menschenhand und Einfluss, sind sie aber immer wieder wunderschön und fasziniert anzusehen, doch genauso, ob als wattige Strukturen und als Projektionsfläche für poetische Träumereien dienend oder in Form von Atompilz Tod und Vernichtung gleich kommend. Ein kleines Loch mitten in dem kleinformatigen Bild (Painting 25 und Painting 26, je 40 x 30 cm) markiert hier einen nun in sich gereiften, ruhenden Künstler, von dem man nie solch eine lange Schöpfungsphase erahnen würde. Die neuen Werke.

Angefangen mit dem kleinformatigen „PFFFT“ (…) bis zu den jüngsten Wolkenbilder, erzählen alle Bilder von der Flüchtigkeit: Flüchtigkeit des Augenblicks, Flüchtigkeit des Windes, Flüchtigkeit des Lebens. Die pastellige Farbigkeit sowie die abstrakte Behandlung der Hintergründe selbst entsprechen dem zarten Moment des Ungreifbaren und Unerfassbaren.